29122010

20:11


Tagebuchähnlicher Beitrag

Für den 29.12.2010. Bald ist das Jahr um. Ich habe wieder mal 12 Monate// 1 Jahr umgebracht. Mein Leben hat sich in den letzten 12 Monaten zum Positiven verändert. Ich kann zwar nicht, wie manch andere Bloggerinnen mit 50 neuen Luxusproblemen auffahren, aber dennoch oder gerade deshalb verläuft mein Leben in geordneten Bahnen und darauf bin ich persönlich sehr stolz.  Dies wird wohl der persönlichste Beitrag auf meinem Blog seit langem werden. Vielleicht ist es am Ende eines Jahres auch angebracht mal etwas ernstere Themen anzusprechen und nicht immer nur das „Modeopfer-Gelabere“ (ja, übersetzt mir einfach mal Fashionvictim – alle tun immer so als ob sie keine wären, aber sind wir nicht alle irgendwelche Opfer irgendeiner Mode?) oder den neusten Gossip über irgendwelche Stars.

Ich sitze grade hier und höre mir auf DELUXE MUSIC einige Musikvideos an. Ich nehme sie nur am Rande dessen wahr, was ich hier schreibe. Und irgendwie gehört es auch für mich zusammen, dass im Hintergrund immer die Musik läuft. Es heißt ja nicht umsonst, dass die Musik den Ton angibt. Ich bin momentan nicht auf Rammstein oder Agonoize aus. Sondern eher der ruhigere und ernstere Typ. Also es soll ein ernstzunehmendes Posting werden. Aber wie fange ich an. Ich glaube, am besten für euch wäre es, wenn es einen kleinen persönlichen Jahresrückblick gibt, oder soll ich es doch besser komprimieren. Ach, am Besten fange ich jetzt einfach an, wie ich will. Und wahrscheinlich gibt es auch hier für wieder irgendwelche Vorgaben, an die man sich halten soll damit man möglichst smooth mit den anderen Menschen auskommen kann.

Meine derzeitige Bettlektüre hat auch sehr viel mit mir zu tun. Nein, das Buch „Das Einsteinmädchen“ wird wirklich nur während Bahnfahrten als Beruhigungsmittel benutzt. Der Winter und die Bahn. Aber das ist ein anderes Kapitel. Es ist ein Fachskript über die Krankheit, die seit 7 Jahren mein stetiger Begleiter ist, auch wenn sie auch im Hintergrund spielt und kaum bis gar nicht zum Vorschein kommt. Ich will hiermit auch kein Mitleid erhaschen, aber ich versuche es euch etwas näher zu bringen. Ich verbringe seit einiger Zeit meine Nachmittage auch viel lieber in der Landesbibliothek zu Dortmund, um mir weitere Literatur zu meinem Krankheitsbild und den verschiedenen angrenzenden Krankheiten durch zu lesen und mich mit mir bewusst zu befassen. Ich will meinen Körper und mich verstehen. Ich will das Zusammenspiel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft besser verstehen. Welche Gründe die Auslöser für welche Probleme sind. Wahrscheinlich bin ich bald versierter als so mancher Psychologe. Mir steigen bei manchen Absätzen in den Büchern wirklich die Tränen in die Augen, weil viele Sachen die mir passiert sind, mich immernoch sehr mitnehmen. Solche Sachen kann man nicht einfach wegdrücken. Ich finde es immer sehr bescheuert, wenn Außenstehende meinen: „Hey, lass dich nicht so hängen.“ Oder sofort „Therapie, Therapie“ schreien. Ich weiß, dass das alles auch für die Außenstehenden (die Gesunden) einfach irgendwelche Schutzmechanismen sind. So wie ich auch manche Verhaltensweisen rein aus Schutz aufgebaut habe. Der Gesunde kann sich gar nicht in solche Situationen reindenken.

Im letzten Jahr habe ich ca. 100 Bücher gelesen. Ich finde, dass das auch meine Einsamkeit und Langeweile wiedergespiegelt hat. Mittlerweile bin ich nicht mehr einsam, denn wenn ich bei meinem Freund bin, lese ich maximal irgendwelche Fachzeitschriften, aber meine Bücher lese ich nur auf Bahnfahrten. Wie mein Freund schon meinte: ‚Am besten wäre es, wenn ich dir ein Ticket für ganz Deutschland schenken würde, dann könntest du ja auch all deine Bücher mal durchlesen, die hier noch so rumliegen.‘ Ich lese auch manchmal Bücher, wenn ich hier bin, allerdings nicht in solchen Massen wie wenn ich in der Einöde des Sauerlandes bin. Ich hab wirklich nichts mehr mit den Leuten dort zu tun, irgendwie kann ich auch nicht mehr mit denen. Ich habe eine andere nicht so scheuklappenartige Sichtweise und kann da gar nicht mehr mithalten. Dort fühle ich mich so richtig alleingelassen, auch wenn ich unter Menschen bin. Dort wird man ja schon doof angeschaut, wenn man etwas aus sich macht und nicht mit 21 schwanger wird. Wenn man sich dazu noch modebewusst anzieht, dann ist man ganz schnell als „Modepüppchen“ verschrien, deshalb liebe ich es ja in Dortmund meinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden zu haben. Hier interessiert deinen Nachbarn herzlich wenig, welche Leggings du zu welchem Oberteil kombinierst, während sich auf dem Land deine ganze Nachbarschaft das Maul über dein Aussehen zerreisst. Dann heißt es: Zieh dich doch bitte mal deines Alters entsprechend an. Was heißt denn schon dem Alter entsprechen? Darf ich ab 25 nur noch bei Street  One und Cecil einkaufen und am besten im hellblau/dunkelblau gestreiften Hausfrauenlook rumlaufen? Treffe ich mich dann auch mit meinen Freundinnen zum Hausfrauenschwimmen? Ich bin noch nicht dazu bereit mich wieder aufgrund meines Alters und Geschlechts abwerten zu lassen. Ich will noch nicht in die modische Mottenkiste greifen und mein Grannyoutfit zusammenstellen. Naja, jedenfalls ist das Leben auf dem Land für mich eher ein Fluch als ein Segen und ich wette, dass sich das in den nächsten 20 Jahren auch nicht ändern wird.

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